Zukunftsszenario
Neue
Natürlichkeit
In diesem Szenario bekommen das Verändern und Synthetisieren von Nahrungsmitteln einen anderen Stellenwert. Künstlichkeit wird zur neuen Natürlichkeit und Dinge wie Laborfleisch oder geneditiertes Gemüse gehören zum ganz normalen Alltag. Milchprodukte stammen in Zukunft von genveränderten Hefemikroben statt von der Kuh.

Der Vorteil: Die Produktion von Fleisch und Milchprodukten kommt völlig ohne die Tierzucht und Massentierhaltung aus und verringert damit den Kohlendioxid-Fußabdruck. Geneditierte Pflanzen lassen sich leichter an Klimaveränderungen anpassen, liefern effizientere Erträge und sind damit schonender für die Umwelt.
Das Fleisch für den eigenen Verzehr lässt sich zukünftig zu Hause im Kücheninkubator selbst züchten. Die passende DNA-Kombination bekommt man auf Webseiten, die unterschiedliche Gensequenzen zur Verfügung stellen. Auf Knopfdruck werden die Meat-Starter synthetisiert und bieten von Hackfleisch-Patties bis hin zum Weihnachtsbraten das ganze Sortiment an Fleischprodukten für den Heimkonsum. Neue Berufsfelder wie der/die Taste-Provider:in entstehen und verkosten neue Lebensmittel. Der/die Bioingenieur:in wird zum neuen Koch oder zur neuen Köchin und entwickelt innovative Geschmacksrichtungen durch Gen-Crossing: Tintenfisch-Kröte oder auch Eisbär-Fledermaus Fleisch ist dabei besonders beliebt. Der neue Trend zeigt sich auch in neuen Restaurant-Konzepten. Die Neuschmeckerbewegung setzt auf ausgefallene Innovationen und findet auch unter Veganer:innen Anklang.
Das Genom bekommt einen neuen Stellenwert in der Gesellschaft. Es wird zur Hauptressource, um Nahrungsmittel zu erzeugen. Neben dem Fleisch findet sich diese Veränderung auch in der Gemüseabteilung und erhöht die Vielfalt an Gemüsesorten. Ausgestorbene Kartoffel- und Tomatensorten lassen sich wieder züchten und versprechen nicht nur längst vergessene Geschmackserlebnisse, sondern auch einen nährstoffreicheren Verzehr.

Gemüse kann in Zukunft weit individualisierter angebaut werden. Zudem benötigen die Pflanzen in der Produktion weder Dünger noch Pestizide, wodurch die Böden und die Insektenvielfalt geschont werden.

Stickstoff nehmen die Pflanzen einfach über die Luft auf und nicht mehr über die Düngung des Bodens. Der Trick hierbei ist, dass das Genom der Erdnusspflanze, die das bereits kann, mittlerweile in den Gen-code fast jeder Zucht- und Nutzpflanze eingeschrieben wurde. Das verhindert die Belastung von Böden, vom Grundwasser und der Meere.
Auch Milchprodukte, wie Käse, Joghurt oder Eiscreme, stammen in Zukunft nicht mehr von der Kuh, sondern werden über genveränderte Hefezellen gewonnen. Es braucht keine Weideflächen mehr für die Tierhaltung und die Produktion von Milchprodukten kann dezentral stattfinden – vielleicht sogar direkt auf der Küchentheke. Durch die genetisch veränderten Hefezellen können auch völlig neue Milchprodukte gezielt entwickelt werden.

Das Unternehmen ‚My Milk' stellt personalisierte Milchprodukte her. Extra proteinreicher Käse für Sportler:innen oder bunter Käse, der nach Eiscreme schmeckt.

Der Produktpalette sind keine Grenzen gesetzt und sie bringt am Ende sogar Milchprodukte hervor, die wir uns aktuell noch nicht vorstellen können. All das, ohne dass im gesamten Herstellungsverfahren jemals eine Kuh zum Einsatz gekommen ist.
Zahlen und Fakten
Fleischkonsum
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen erwartet, dass sich bis 2050 die weltweite Fleischproduktion auf 465 Millionen Tonnen jährlich nahezu verdoppelt.
Kohlenstoffdioxid Fußabdruck von In Vitro Fleisch im Vergleich
Der Kohlendioxid-Fußabdruck des In-vitro-Fleisches ist kleiner als der durchschnittliche für Fleisch und 1:10 für Rindfleisch.
Planetare Leitplanke für Stickstoff
Die planetare Leitplanke für Stickstoff wird mit 63 Millionen Tonnen pro Jahr angegeben. Diese Leitplanke wird global um den Faktor 2 überschritten, Dies ist vor allem Resultat der Düngung.